Wir haben gezeigt, dass wir’s können – Auftrags- und Drittmittelforschung

Als Dr.-Ing. Thomas Zahn 2016/ 17 an die bbw Hochschule kam, hatte er als Neuroinformatiker bereits am Max-Planck-Institut geforscht, war wissenschaftlicher Mitarbeiter in verschiedenen Universitäten u. a. am MIT in Boston (USA). Er war zehn Jahre Strategieberater und so für diverse internationale Unternehmen tätig, hatte schon mehrere Lehraufträge, u. a. an der LMU München, zwei Forschungsinstitute gegründet und vier Forschungseinrichtungen als Geschäftsführer geleitet – zuletzt das Gesundheitswissenschaftliche Institut der AOK Nordost GeWINO. In Summe dieser Erfahrungen muss ihm das fib als Forschungsinstitut der bbw Hochschule anfangs winzig erschienen sein. „Das spannende war die Perspektive – das fib als Forschungsprofessor inhaltlich neu auszurichten, das Profil zu schärfen und es vor allem in kürzester Zeit so aufzustellen, dass die Vorstellungen des Wissenschaftsrates 2020 erfüllt werden können“, sagt Prof. Zahn. Von seinem Erfolg kann letztlich sogar die Reakkreditierung der Hochschule abhängen.

Zuverlässigkeit in Time und Budget und ein gutes Standig in Forschungsnetzwerken

Was der Wissenschaftsrat aber effektiv schon im Februar 2019 per Bericht erwartete, ist ein Paket, dass tatsächlich nur jemand wegtragen kann, der umfassende Forschungserfahrungen, ein gutes Standing in verschiedenen Forschungsnetzwerken und eine strapazierfähige Gesamtkonstitution hat – wie Prof. Zahn. Denn, er sollte nichts weniger als veranlassen, dass es im fib Forschung gibt, die für alle, auch für Bachelor-Studierende zugänglich ist – und zwar in allen drei Fachgruppen – nicht wie bisher, überwiegend auf die ingenieurtechnischen Studienrichtungen konzentriert. Der Wissenschaftsrat wollte auch, dass ihm nachhaltige Anreizsysteme vorgestellt werden, die Studierende und Lehrende zur Forschungsarbeit motivieren können. Außerdem musste quasi bis Februar 2019 gewährleistet sein, dass die Forschungsergebnisse angemessen publiziert werden und, dass die Forschung fester Bestandteil der Lehre in jedem Studiengang ist … „Entscheidend ist, dass wir am richtigen Ende weitermachen. Einerseits große Projekte akquirieren und umsetzen und andererseits unsere Hochschule auch als forschende Organisation aufstellen. Die Forschungsgemeinde in Deutschland ist gut vernetzt, bevor man da eine Chance auf größere Projekte bekommt, muss man sich mit kleineren Projekten einen guten Ruf erarbeiten. Das heißt: Zuverlässig in Time und Budget arbeiten, Eigenanteile einbringen und Ergebnisse liefern. Nicht nur Papier beschreiben, sondern die konkrete Machbarkeit zeigen. Ich denke, wir haben uns, seit es das fib gibt, ein gutes Image erarbeitet, das uns nun hilft, ein Forschungsspektrum zu entwickeln, das von uns erwartet wird und das zu uns passt“, sagt Prof. Zahn.

Passende Forschungsschwerpunkte, passende Projekte und eine passende Infrastruktur

Als Fachhochschule, die sich als Hochschule der Wirtschaft für die Wirtschaft in Berlin-Brandenburg sieht und die eine enge Bindung an den Mittelstand und die berufliche Bildung hat, war klar: Die bbw Hochschule muss ihre Forschungsschwerpunkte so setzen, dass sie die aktuellen Herausforderungen der regionalen Wirtschaft betreffen, akademischen Standards entsprechen, aber auch unmittelbaren praktischen Nutzen bringen. Mit Blick auf die strukturelle Einbindung der Hochschule und ihr Hinterland – mit dem Bildungswerk der Wirtschaft (bbw) und den Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg (UVB) – sowie den Entwicklungschancen – mit einem immer moderner und internationaler werdenden Studiengangangebot – wurden drei Forschungsschwerpunkte identifiziert:
Forschung für:

■ die Fachkräftesicherung,
■ die Förderung von Start-ups und
■ die Zukunftstechnologien.

Hier lassen sich Erfahrungen und Potenziale der Hochschule gut zusammenführen und, es bieten sich für eine breitere profilgebende Forschung hervorragende Betätigungsfelder für alle Studierenden – die künftigen Ingenieure, aber auch für Wirtschaftsingenieure und Wirtschaftswissenschaftler. „Mit den bisher erfolgreich durchgeführten Projekten zeigen wir, dass die bbw Hochschule ein vertrauenswürdiger Forschungspartner ist – für Drittmittelgeber, aber auch für Unternehmenspartner, die uns mit Forschung beauftragen“, sagt der Leiter des fib und ergänzt: „Wir haben auch in Millionen-Euro-Forschungsprojekten gezeigt, dasswir
es können.“

Gemeinsam forschen mit den Schwergewichten bundesdeutscher Forschung im Ring

Vor allem mit den größeren, meist dreijährigen BMBF-, BMWi- oder vom Innovationsfonds geförderten Forschungsprojekten, in denen die bbw Hochschule teilweise sogar als Konsortialführer agiert und namhafte Forschungspartner hat sowie in, von der Wirtschaft initiierten, Auftragsforschungsprojekten zeigt sie, dass sie Forschung kann. Bei „NoMIG“ forscht sie seit Anfang 2017 z. B. zusammen mit der Charité und der Universität Bielefeld, bei „Digi-Exist“ seit April 2016 u. a. mit der Beuth Hochschule für Technik in Berlin. Bei der „ASV-Studie“ hat sie bis Mitte Mai 2018 in ihrem ersten Drei-Millionen-Euro-Projekt als Konsortialführer u. a. für Siemens geforscht, bei „HLaN“ arbeitet sie seit April 2018 z. B. mit der Telekom und dem Bundesverband deutscher Start-ups, bei „CAREcomm“ u. a. mit der AOK Nordost und dem Helmholtz-Zentrum Geesthacht. Neben innovationsstarken Firmen, die auch jeweils dabei sind, sind die Partner in den neueren Projekten meist als prominente Schwergewichte im Ring. Sie verfügen über eine ausgewiesene Forschungsexpertise und überwiegend Top-Forschungsinfrastrukturen, die längst wettbewerbserprobt sind. Ganz anders als unsere Hochschule, die bis vor kurzem noch alle Kraft in die Studiengangentwicklung und das Marketing dazu stecken musste, damit sie rechtzeitig zum Läuten in der nächsten Runde wieder antreten kann.

Mit kompetentem Forschungsteam und neuen talentierten Alumni aus der bbw Hochschule

Schließlich konnte durch die elf in 2016 bis 2018 gelaufenen und neu genehmigten Großprojekte am fib das Forschungsteam gut aufgestockt und mit der Schaffung einer Forschungsprofessur und der Einstellung eines Controllers personell besser abgesichert werden. Ende 2018 kamen vier neue Mitarbeiterinnen ins Forschungsteam, davon zwei ehemalige Studierende der bbw Hochschule und zwei studentische Hilfskräfte. Mit fünf in 2018 neu berufenen Professorinnen, die wie die Mehrzahl aller Lehrkräfte der bbw Hochschule eine enge Bindung an die regionale und überregionale Wirtschaft haben, sind der Vernetzungsgrad und die Chance auf neue Forschungsimpulse für das fib noch weiter gestiegen.
Unsere Forschung ist Wirtschaftsförderung im besten Sinne
„Besonders Drittmittelprojekte haben ihre Risiken. Abgesehen vom Eigenanteil, der zu erbringen ist, erfordern sie meist einen enormen Management-Aufwand. Deshalb geht unsere Strategie dahin, künftig der Auftragsforschung aus der Wirtschaft stärkeres Gewicht zu geben“, betont Forschungsprofessor Zahn. Dafür hat das fib eine gute Basis, die andere Hochschulen nicht haben. Das sind die Wirtschaftskontakte. Sie sind nicht nur für die Auftragsakquise, sondern auch für den Forschungsprozess und für den schnellen Transfer von Innovationen in die Wirtschaft bedeutsam. „Genaugenommen war jedes unserer Forschungsvorhaben bisher pure Wirtschafts- oder Infrastrukturförderung, weil immer der Anspruch umgesetzt werden muss, dass die Forschungserkenntnisse direkt dort ankommen, wo sie gebraucht werden“, erklärt Prof. Zahn.

Um Studierende über Forschung näher an die Wirtschaft zu bringen, stricken wir doppelt

Studierende über die Forschung näher an die wichtigen Herausforderungen der Wirtschaft und gleichzeitig an attraktive künftige Arbeitgeber heranzuführen, ist natürlich auch ein wichtiger Effekt, an dem die Forscherinnen der bbw Hochschule gewissermaßen mit einer Doppelstrategie arbeiten. Denn dieser Effekt kann neben der Mitarbeit an größeren Forschungsaufträgen auch mit Forschung im kleineren Rahmen, z. B. als Forschungsauftrag für Studierende, erreicht werden – am besten schon vor der Bachelor- oder Masterarbeit. Eine Möglichkeit sehen sie darin, Unternehmen dafür zu gewinnen, Studierenden schon ab dem 3. oder 4. Semester auf 450-Euro-Basis Forschungsvorhaben zu Unternehmensthemen anzubieten. In mindestens sechs Monaten könnten so Lösungsansätze für betriebliche Probleme erarbeitet werden. Ein anderer Weg ist der, über die Wirtschaftskontakte der Professorinnen die Bearbeitung von Forschungsthemen in den Studienalltag einzubinden. „An der Stelle haben wir noch etwas Luft nach oben. Aber es passiert auch schon viel“, weiß der Leiter des fib.

Forschung im Studienalltag – quer durch alle Studiengänge

Es gibt z. B. in den Logistikstudiengängen jährlich ein Forschungsprojekt mit BMW zur Analyse und zum Aufbau lokaler Lieferketten für die BMW-Produktion in den BRIC-Märkten. Im Master-Studiengang „International Technology Transfer Management“ beschäftigten sich die Studierenden mit der Analyse und dem Benchmarking von Retouren in verschiedenen eCommerce Modehäusern oder im Bereich Food mit der Analyse operativer Strukturen verschiedener FoodBox-Anbieter auf der Basis von Social Media Profilen. Auch im Master-Studiengang „Management of Creative Industries“ werden regelmäßig in den Study Cases, den wissenschaftlichen Hausarbeiten

(SCAs) oder in Masterarbeiten anwendungsbezogene Forscherfragen gewählt – häufig im Auftrag der Unternehmen für die die Studierenden studienbegleitend tätig sind.

Anreizsysteme für Studierende, die Ambitionen für die Forschung haben

Das fib hat eine Postervorlage für Studierende erstellt, mit der sie unterstützt werden, geeignete, eventuell ausbaufähige Bachelor- und Master-Arbeitsthemen auf einer Seite übersichtlich darzustellen. Dahinter steckt der Gedanke, dass jeder Forscher auch ein Vermarkter seiner Idee sein muss. Das hat auch Prof. Zahn schon früh erfahren: „Eigentlich schon als Werkstudent bei Siemens. Das Marketing sagt, fünf Botschaften kann man auf einem Plakat vermitteln. Das ist für die meisten Studierenden natürlich bei der Komplexität eines Forschungsthemas alles andere als leicht. Trotzdem muss ein Forscher seine Ideen auch knapp, verständlich und bildlich präsentieren können.“ Acht Studierende haben 2018 ein Poster angefertigt. Künftig sollen es pro Jahr rund 35 sein. Daraus sollen in einem wissenschaftlichen Kolloquium vor Studierenden, Forschungsteam, Professorinnen, Hochschulleitung und Unternehmern die besten fünf ausgewählt werden. Diese Art der Präsentation könnte schon ein Anreiz sein, aber vielleicht auch die Möglichkeit, dass jeweils die fünf Jahrgangsbesten ihre Arbeiten auf Kongressen präsentieren dürfen.

Vom Studierenden zum Forscher oder auch zum Entrepreneur

Für die Erfassung, aber auch die Unterstützung von Publikationen wurde Ende 2018 das neue moodle-Forschungsforum realisiert. Es ist in einen Kommunikationsteil und einen Forschungsteil gegliedert. Im Forschungsteil werden z. B. Ideen für Forschungsfragen gesammelt, die von Professorinnen kommen könnten. Dieser Teil enthält auch ein Publikationsforum für die Veröffentlichung von freigegebenen wissenschaftlichen Beiträgen, Bachelor- und Masterarbeiten. Die Plattform hat den Vorteil, dass sie für alle Studierenden, Professorinnen und autorisierte Leserinnen zitierfähige wissenschaftliche Dokumente zugänglich macht und damit für Studierende die Motivation steigern kann, die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeit auch zu publizieren. „Wir stehen natürlich als Berater zur Verfügung, damit nicht aus Versehen Schützenswertes mit Entwicklungspotenzial preisgegeben wird. Denn, aus Forschungsthemen entstehen manchmal ja verwertbare Produktideen und sogar faszinierende Gründungsideen, die wir unbedingt fördern wollen“, sagt der Chef des Forschungsteams (siehe auch Seite 36 ff.).

Wir sind dabei, ein Bündel von Maßnahmen zu schaffen – als Support für Gründer

„Noch in 2019 möchten wir ein bbw Gründerzentrum gemeinsam mit unserem Kooperationspartner TU Berlin-Center for Entrepreneurship (CfE) ins Leben rufen. Unser PUSH-Antrag für eine Konzeptphase als Gründerhochschule beim BMWi Exist Potenziale wurde genehmigt. Bis August 2019 werden wir nun mit 100 000 Euro gefördert, um ein überzeugendes Konzept zu erstellen, wie wir junge Gründerinnen in der bbw Gruppe motivieren und effektiv unterstützen können, ihr eigenes Unternehmen zu starten. Natürlich kann und will nicht jeder gründen, aber einige Studierende der bbw Hochschule und bbw Absolventinnen wären dazu geeignet. „Wenn wir die Gutachterinnen überzeugen, dann könnten wir ab Jahresende jungen Gründerinnen und Gründern nicht nur Räume und Infrastrukturen in der Berliner Bismarckstraße 105 bieten, sondern auch vom exzellenten Ruf des CfE der TU Berlin und dessen Erfahrungen profitieren, um junge Gründerinnen zu befähigen, eigene Geschäftsideen, aber auch innovative Ideen für konkrete Probleme unserer Partnerunternehmen im Rahmen von Gründungswettbewerben, umzusetzen“, so der Plan von Prof. Zahn.

Eine Idee ist auch, bis zu fünf gründungswilligen Studierenden und Gründerinnen von bbw Hochschul-Aninstituten – jeweils im Rahmen einer Gründervereinbarung – für zwölf Monate kostenfreien Zugang zur bbw Forschungsinfrastruktur anzubieten. Das könnte die Nutzung von Arbeitsplätzen, IT und Kommunikationsmitteln sein. Hinzu kommt eine Gründungsberatung durch fachkundige Professorinnen und Dozent*innen. Auch die Einladung zu Gründerevents, die ab 2020 regelmäßig in der bbw Hochschule stattfinden sollen, wäre ein Anreiz. Gerade haben sich beim ersten HLaN Match Making Event im HIS (Health Innovation Showroom) 13 Start-ups mit acht Krankenkassen vernetzt und, es sind neun Partnerschaftsanfragen entstanden. „Bei solchen Gründerevents wollen wir über industriespezifische Herausforderungen, aber auch über Crowd Funding-Möglichkeiten informieren und Venture Capital-Partner vermitteln. Auch die Vermittlung von Exist-Gründerstipendien und IBB-Gründerförderung ist geplant. Was wir jetzt schon zur Förderung von Gründerinnen und Gründern aus der Hochschule anbieten können ist Co-Workingspace – aktuell gibt es vier Arbeitsplätze in der Hochschule und einen Showroom im Haus der Wirtschaft sowie 350 000 Euro, die Fördermittel für Health Start-ups im BMWi-HLaN-Projekt.


(Quelle: „Jahresbericht 2018 der bbw Gruppe, Menschen und Geschichten, bbw Bildungswerk der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg e.V., Berln, S. 40-43)


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